Rohstoffexperte Prof. Dr. Torsten Dennin bezeichnet Kupfer als den «ultimativen Profiteur» des KI-Booms. Damit zielt er auf einen oft übersehenen Teil der KI: Rechenzentren benötigen neben Halbleitern und Software auch Stromanschlüsse, Leitungen, Transformatoren, Kühlsysteme und leistungsfähige Netze. Aufgrund seiner hohen elektrischen Leitfähigkeit ist Kupfer ein zentraler Werkstoff dieser Infrastruktur.

Die Nachfrage beschränkt sich zudem nicht auf KI. Auch die Bereiche Digitalisierung, Energiewende, Elektromobilität, Netzausbau, Bau und Industrie greifen gleichzeitig auf Kupfer zurück. Damit trifft der zusätzliche Bedarf auf einen bereits grossen und konjunktursensitiven Industriemarkt. Wie viel Kupfer allein durch künstliche Intelligenz zusätzlich benötigt wird, lässt sich aus neutralen öffentlichen Quellen derzeit allerdings nicht belastbar beziffern. Gut dokumentiert ist hingegen der steigende Energiebedarf:

Die Internationale Energieagentur (IEA) erwartet, dass sich der weltweite Stromverbrauch von Rechenzentren von rund 485 Terawattstunden im Jahr 2025 auf etwa 950 Terawattstunden im Jahr 2030 nahezu verdoppelt. KI zählt zu den wesentlichen Wachstumstreibern. Gleichzeitig erwartet die IEA bis 2040 einen Anstieg der weltweiten Kupfernachfrage um rund sieben Millionen Tonnen. Treiber sind insbesondere Stromnetze und neue Technologien neben den etablierten Einsatzbereichen wie Bau und Industrie.

Eine steigende Nachfrage führt nicht automatisch zu einem ebenso schnellen Produktionsanstieg bei Kupfer. Neue Minen benötigen lange Vorlaufzeiten. Laut Daten der IEA für Projekte, die zwischen 2010 und 2019 in Produktion gingen, vergehen von der Entdeckung einer Lagerstätte bis zum Produktionsbeginn rund 17 Jahre. Dabei beanspruchen Exploration und Machbarkeitsstudien bereits einen grossen Teil der Zeit.

Hinzu kommen sinkende Erzgehalte, hohe Investitionskosten und komplexere Projekte. Die IEA sieht deshalb trotz zusätzlicher angekündigter Projekte im Basisszenario für 2035 eine mögliche Lücke von rund 25 Prozent zwischen dem erwarteten Minenangebot und dem Primärbedarf.

Dies ist jedoch eine Projektion und keine Garantie für eine dauerhafte Kupferknappheit. Neue Projekte, Recycling, technologische Veränderungen oder eine schwächere Nachfrage können die Marktbilanz verändern. Anlegerinnen und Anleger sollten langfristige Nachfrageprognosen deshalb nicht mit kurzfristigen Preisprognosen gleichsetzen.

20260810 kupfer chart chf 1jahr
Kupferpreis in CHF (1 Jahr)

Stand: 10.08.2026; Quelle: finanzen.ch

Wie Anlegerinnen und Anleger in Kupfer investieren können

Physisches Kupfer ist für Privatanleger aufgrund von Lagerung und Handel meist wenig praktikabel. Eine Möglichkeit des indirekten Zugangs sind beispielsweise Aktien von Kupferproduzenten oder ETFs auf Minenunternehmen. Dabei wird jedoch nicht direkt in das Metall investiert. Neben dem Kupferpreis beeinflussen Förderkosten, Management, politische Rahmenbedingungen und operative Risiken die Entwicklung dieser Unternehmen.

Beispiele:

Eine weitere Möglichkeit sind börsengehandelte Rohstoffprodukte. Je nach Konstruktion können diese Produkte die Entwicklung des Kupferpreises stärker abbilden. Anleger sollten jedoch die genaue Struktur prüfen. ETPs können unterschiedlich aufgebaut sein. Bei Produkten auf Futures können Rolleffekte dazu führen, dass die Rendite von der Entwicklung des Kassapreises abweicht. Auch Futures und Optionen ermöglichen eine Positionierung im Kupfermarkt, sind aufgrund von Laufzeiten, Hebelwirkung und Verlustrisiken jedoch komplexer.

Für Anleger bleibt damit entscheidend: Eine überzeugende langfristige Kupferstory allein reicht nicht aus. Ebenso relevant sind die Angebotsentwicklung, die Konjunktur, die Produktstruktur, die Kosten und das individuelle Risikoprofil.

3 Key Takeaways

  • 1. KI erhöht den Infrastrukturbedarf: Neben Elektrifizierung und Netzausbau unterstützt der Ausbau von Rechenzentren und Stromversorgung die strukturelle Kupfernachfrage.

  • 2. Die Erschliessung neuer Kupferminen dauert viele Jahre: Historische Daten der Internationalen Energieagentur (IEA) zeigen, dass zwischen der Entdeckung einer Lagerstätte und dem Produktionsbeginn rund 17 Jahre vergehen.

  • 3. Ein Investment in Kupfer ist nicht gleich ein Investment in Kupfer: Minenaktien, ETFs, börsengehandelte Rohstoffprodukte und Futures unterscheiden sich deutlich hinsichtlich Preisabbildung und Risiken.

FAQ zu Kupfer

Eine belastbare, neutrale Prognose für den Kupferbedarf, die ausschliesslich auf KI basiert, liegt derzeit nicht vor. Es ist jedoch belegt, dass KI den Ausbau von Rechenzentren und deren Strombedarf vorantreibt. Kupfer wird sowohl innerhalb der Rechenzentren als auch für die dazugehörige elektrische Infrastruktur benötigt.

Für die Erschliessung neuer Minen sind viele Jahre für Exploration, Machbarkeitsprüfungen, Genehmigungen und Bau erforderlich. Historische Daten der Internationalen Energieagentur (IEA) zeigen für Kupfer eine durchschnittliche Entwicklungszeit von rund 17 Jahren.

Die IEA erwartet im Basisszenario für das Jahr 2035 eine mögliche Lücke von rund 25 Prozent zwischen Minenangebot und Primärbedarf. Dabei handelt es sich jedoch um eine Projektion auf Basis der aktuell bekannten Projekte und Nachfrageannahmen und somit nicht um eine sichere Prognose.

Mögliche Zugänge sind Aktien von Kupferproduzenten, Minen-ETFs, börsengehandelte Rohstoffprodukte sowie Futures und Optionen. Diese Instrumente unterscheiden sich deutlich in Bezug auf Kosten, Risiken und die Frage, wie direkt sie die Entwicklung des Kupferpreises abbilden.

Nein, denn der Kupferpreis ist zwar ein wichtiger Einflussfaktor, bei Minenunternehmen spielen jedoch zusätzlich Produktionskosten, Fördermengen, politische Risiken, die Unternehmensführung und operative Entwicklungen eine Rolle.

Quellen:

  • Videointerview mit Prof. Dr. Torsten Dennin: KI-Boom, Kupfer & Uran – Welche Rohstoffe profitieren wirklich?,
  • Internationale Energieagentur (IEA), Key Questions on Energy and AI, Global Critical Minerals Outlook 2026, Daten zu den Entwicklungszeiten von Minenprojekten
  • U.S. Geological Survey (USGS), Key Minerals in Data Centers
  • Investor.gov / U.S. Securities and Exchange Commission
  • Commodity Futures Trading Commission (CFTC), Customer Advisory: Learn About Risks Before Investing in Commodity ETPs or Funds, Basics of Futures Trading
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