Ein Börsengang gehört zu den aufmerksamkeitsstärksten Ereignissen an den Finanzmärkten. Wenn ein bekanntes Unternehmen erstmals an die Börse geht, richten sich die Blicke von Medien, Investoren und Privatanlegern häufig auf den ersten Handelstag. Ein aktuelles Beispiel ist der Börsengang von SpaceX.

Solche Börsengänge zeigen, welche Dynamik entsteht, wenn private Wachstumsunternehmen auf den Kapitalmarkt treffen. Hohe Bewertungen, starke Nachfrage und mediale Aufmerksamkeit können den Eindruck erwecken, dass ein IPO eine einmalige Anlagechance darstellt. Doch was steckt tatsächlich hinter einem IPO? Warum entscheiden sich Unternehmen für den Gang an die Börse? Und welche Chancen und Risiken ergeben sich daraus für Anlegerinnen und Anleger? Wer diese Fragen versteht, kann Börsengänge besser einordnen und fundiertere Anlageentscheidungen treffen.

Warum Börsengänge Anleger faszinieren

Kaum ein Ereignis an den Finanzmärkten erzeugt so viel Aufmerksamkeit wie ein Börsengang. Wenn ein bekanntes Unternehmen erstmals an die Börse geht, berichten Medien weltweit darüber. Schlagzeilen über Milliardenbewertungen, prominente Gründerinnen und Gründer oder starke Kursgewinne am ersten Handelstag sorgen regelmässig für grosses Interesse.

Besonders Unternehmen aus Zukunftsbranchen stehen häufig im Fokus. Dazu gehören etwa Künstliche Intelligenz, Raumfahrt, Fintech, Cloud-Infrastruktur, Biotechnologie oder digitale  Plattforment. Viele Anlegerinnen und Anleger kennen solche Unternehmen bereits aus dem Alltag oder verbinden sie mit Innovation und Wachstum.

Genau darin liegt aber auch ein Risiko: Bekanntheit ersetzt keine Analyse. Ein Unternehmen kann technologisch führend, medial präsent und strategisch spannend sein. Ob die Aktie zum aktuellen Preis attraktiv bewertet ist, ist eine andere Frage.

Kurz erklärt: Was ist ein IPO?

Ein IPO, kurz für Initial Public Offering, bezeichnet den erstmaligen öffentlichen Verkauf von Aktien eines Unternehmens. Im Deutschen spricht man von einem Börsengang. Durch einen IPO wird aus einem privaten Unternehmen eine börsenkotierte Gesellschaft, deren Aktien grundsätzlich an einer Börse gehandelt werden können.

Vor einem Börsengang befinden sich die Unternehmensanteile meist in den Händen eines begrenzten Eigentümerkreises. Dazu gehören zum Beispiel Gründerinnen und Gründer, Mitarbeitende, Venture-Capital-Investoren, Private-Equity-Gesellschaften oder institutionelle Investoren.

Mit dem IPO öffnet sich das Unternehmen dem öffentlichen Kapitalmarkt. Dadurch erhalten auch weitere Anlegerinnen und Anleger die Möglichkeit, sich am Unternehmen zu beteiligen.

Was verändert sich durch einen Börsengang?

Ein Börsengang ist weit mehr als ein medienwirksamer erster Handelstag. Für das Unternehmen beginnt mit der Kotierung ein neuer Abschnitt. Nach der Börsenkotierung gibt es einen  öffentlich sichtbaren Aktienkurs, regelmässige Finanzberichterstattung, höhere Transparenzanforderungen und strengere Corporate-Governance-Vorgaben.

Ein gutes Unternehmen ist nicht automatisch eine gute Aktie.

Für Anlegerinnen und Anleger bedeutet ein IPO vor allem, dass sie erstmals über den öffentlichen Markt in ein zuvor privates Unternehmen investieren können. Dabei gilt jedoch eine wichtige Regel: Ein gutes Unternehmen ist nicht automatisch eine gute Aktie. Ein Unternehmen kann innovative Produkte, starke Marken und attraktive Wachstumsaussichten besitzen. Ob die Aktie zum aktuellen Preis attraktiv bewertet ist, steht auf einem anderen Blatt.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen dem Unternehmen und der Aktie. Das Unternehmen umfasst Aspekte wie Geschäftsmodell, Produkte, Strategie, Marktposition und Wachstumspotenzial. Die Aktie beinhaltet zusätzlich den aktuellen Preis, die Bewertung, die Markterwartungen, die Liquidität und das Risiko.

Warum gehen Unternehmen an die Börse?

Der Gang an die Börse ist eine strategische Entscheidung. Unternehmen verfolgen dabei häufig mehrere Ziele gleichzeitig.

  • Kapital für Wachstum aufnehmen

Der wichtigste Grund für einen Börsengang ist  die Beschaffung von Eigenkapital. Durch die Ausgabe neuer Aktien fliesst dem Unternehmen frisches Geld zu. Dieses Kapital kann für verschiedene Wachstumsstrategien eingesetzt werden, etwa für die Expansion in neue Märkte, Forschung und Entwicklung, Digitalisierung, den Ausbau der Produktion, Unternehmensübernahmen oder andere strategische Investitionen. Im Unterschied zu einem Bankkredit muss Eigenkapital nicht zurückbezahlt werden. Dafür geben bestehende Eigentümer einen Teil ihrer Beteiligung ab.

  • Handelbarkeit der Aktien erhöhen

Vor einem IPO lassen sich Unternehmensanteile oft nur eingeschränkt handeln. Durch die Börsenkotierung entsteht ein organisierter Markt, auf dem Aktien grundsätzlich gekauft und verkauft werden können. Das erhöht die Liquidität und schafft einen transparenten Marktpreis.

  • Sichtbarkeit steigern

Ein börsenkotiertes Unternehmen steht stärker im Fokus von Investoren, Medien, Geschäftspartnern oder auch potenziellen Mitarbeitenden. Diese erhöhte Aufmerksamkeit kann die Wahrnehmung und Bekanntheit eines Unternehmens stärken.

  • Bestehenden Aktionären Flexibilität ermöglichen

Ein IPO bietet frühe Investoren, Gründerinnen und Gründern oder Mitarbeitenden langfristig die Möglichkeit,  Anteile einfacher zu verkaufen.  Für Anlegerinnen und Anleger ist deshalb eine  zentrale Frage: Warum geht das Unternehmen gerade jetzt an die Börse? Die Antwort liefert oft wichtige Hinweise auf die strategischen Ziele des Unternehmens.

Die wichtigsten Schritte eines IPO

Der genaue Ablauf eines Börsengangs kann je nach Unternehmen und Börsenplatz variieren. Vereinfacht lässt sich der Prozess jedoch in mehrere typische Schritte unterteilen:

  1. Vorbereitung
    Zunächst entscheidet sich das Unternehmen für den Gang an die Börse und stellt die organisatorischen und strategischen Weichen. Dabei werden in der Regel Investmentbanken sowie weitere Berater eingebunden, die den gesamten Prozess begleiten.
  2. Erstellung des Emissionsprospekts
    Im Emissionsprospekt werden zentrale Informationen über das Unternehmen offengelegt. Dazu zählen unter anderem das Geschäftsmodell, die Finanzzahlen, Chancen und Risiken, die Eigentümerstruktur sowie die geplante Verwendung der eingenommenen Mittel. Der Prospekt ist für Anlegerinnen und Anleger eine der wichtigsten Informationsquellen vor einem IPO.
  3. Unternehmensbewertung
    Gemeinsam mit den begleitenden Banken wird anschliessend eine Bewertung des Unternehmens vorgenommen, die als Grundlage für die spätere Preisfindung dient. Dabei werden Finanzkennzahlen, Wachstumsperspektiven, Marktvergleiche, Risiken und das aktuelle Kapitalmarktumfeld berücksichtigt.
  4. Festlegung der Preisspanne
    Im nächsten Schritt wird eine Preisspanne definiert, innerhalb derer institutionelle und teilweise auch private Investoren ihr Interesse an der Aktie anmelden können.
  5. Preisfestsetzung
    Auf Basis der Nachfrage wird schliesslich der endgültige Emissionspreis festgelegt, zu dem die Aktien erstmals ausgegeben werden. Dieser Preis ist der sogenannte IPO-Preis oder Ausgabepreis.
  6. Börsenkotierung und erster Handelstag
    Mit der Erstnotiz beginnt der offizielle Handel an der Börse: Die Aktie wird erstmals an der Börse gehandelt und ist damit für den öffentlichen Markt zugänglich. Ab diesem Zeitpunkt entsteht der Kurs durch Angebot und Nachfrage am Markt.
  7. Laufender Börsenhandel
    Nach dem IPO bildet sich der Aktienkurs kontinuierlich durch Marktmechanismen. Unternehmensnachrichten, Quartalszahlen, Analysteneinschätzungen, Zinsen, Konjunktur und Anlegerstimmung können die Kursentwicklung beeinflussen.

IPO-Preis vs. Börsenkurs: Ein wichtigste Unterschied beim Börsengang

Ein zentrales Missverständnis bei Börsengängen betrifft den Unterschied zwischen dem festgelegten Ausgabepreis (IPO-Preis) und dem späteren Marktpreis der Aktie (Börsenkurs). Gerade hier entstehen häufig falsche Erwartungen über mögliche Einstiegsniveaus und Renditen.

Der Emissionspreis
Vor dem ersten Handelstag wird ein fester Ausgabepreis definiert, der sogenannte Emissions- oder IPO-Preis. Zu diesem Preis werden die Aktien zunächst ausgewählten Investoren und teils auch bestimmten Anlegergruppen zugeteilt.

Der erste Börsenkurs
Sobald die Aktie jedoch an der Börse gehandelt wird, übernimmt der Markt die Preisfindung. Angebot und Nachfrage bestimmen dann, zu welchem Kurs die Aktie tatsächlich gekauft oder verkauft werden kann.

Ist die Nachfrage besonders hoch, kann der erste Börsenkurs deutlich über dem IPO-Preis liegen. Davon profitieren vor allem jene Investoren, die bereits vor Handelsbeginn Aktien zugeteilt bekommen haben. Viele Privatanleger steigen hingegen erst nach Handelsstart ein und zahlen den dann gültigen Marktpreis. Daher gilt: Der IPO-Preis und der tatsächlich bezahlte Kaufpreis an der Börse sind häufig nicht identisch.

Warum steigen manche Aktien direkt nach dem Börsenstart?

Starke Kursgewinne am ersten Handelstag können mehrere Ursachen haben. Häufig ist die Nachfrage grösser als das verfügbare Aktienangebot. Auch mediale Aufmerksamkeit, positive Marktstimmung oder eine bewusst vorsichtige Preisfestsetzung können dazu beitragen, dass der erste Börsenkurs über dem IPO-Preis liegt.

Ist die Nachfrage besonders hoch, kann der erste Börsenkurs deutlich über dem Emissionspreis liegen. In solchen Fällen profitieren vor allem Investoren, die bereits vor dem Börsenstart Aktien zugeteilt bekommen haben. Viele Privatanleger steigen hingegen erst nach Handelsbeginn ein und kaufen die Aktie zum dann gültigen Marktpreis. Daher gilt: Der IPO-Preis und der tatsächlich gezahlte Kaufpreis am Markt sind häufig nicht identisch, ein wichtiger Unterschied, den Anlegerinnen und Anleger kennen sollten. Ein starker erster Handelstag ist kein Garant für eine erfolgreiche langfristige Kursentwicklung.

Was ist eine Lock-up-Frist?

Nach vielen Börsengängen gelten sogenannte Lock-up-Fristen. Während dieser Zeit dürfen bestimmte bestehende Aktionäre ihre Aktien nicht oder nur eingeschränkt verkaufen. Dazu gehören häufig Gründerinnen und Gründer, Mitarbeitende, Management oder frühe Investoren.

Lock-up-Fristen sollen verhindern, dass direkt nach dem Börsengang grosse Aktienpakete auf den Markt kommen. Für Anleger ist das Ende einer Lock-up-Frist wichtig, weil dann zusätzlicher Verkaufsdruck entstehen kann. Wenn viele Altaktionäre nach Ablauf der Frist Aktien verkaufen, kann dies den Kurs belasten.

Chancen und Risiken eines IPOs für Anleger

Ein Börsengang kann Anlegerinnen und Anlegern interessante  Möglichkeiten eröffnen, birgt jedoch gleichzeitig spezifische Unsicherheiten, die besonders in der Anfangsphase eines IPOs sichtbar werden.

Chancen eines IPOs

Ein IPO ermöglicht Investitionen in Unternehmen, deren Aktien  zuvor nicht öffentlich handelbar waren und somit für viele Anlegerinnen und Anleger nicht zugänglich waren.

Entwickelt sich ein Unternehmen langfristig erfolgreich, können Anlegerinnen und Anleger unmittelbar von dieser Wertsteigerung teilhaben. Gerade junge oder wachstumsstarke Unternehmen können über viele Jahre erhebliches Potenzial bieten.

Neue Börsenkandidaten bringen oft innovative Geschäftsmodelle und Branchen an den Kapitalmarkt und erweitern so die Streuungsmöglichkeiten im Portfolio.

Börsenkotierte Unternehmen unterliegen regelmässigen Berichtspflichten. Dadurch stehen Anlegern mehr Informationen zur Verfügung als bei vielen privaten Unternehmen.

Risiken Risiken eines IPOs

Gerade bei stark nachgefragten Börsengängen sind die Erwartungen und Bewertungen oft hoch angesetzt. Wenn viel Wachstum bereits im Aktienkurs eingepreist ist, kann die Aktie empfindlich reagieren, sobald die tatsächliche Entwicklung hinter den Erwartungen zurückbleibt.

Nach dem IPO fehlt es zunächst an Erfahrungswerten, wie sich das Unternehmen als börsennotierte Gesellschaft entwickelt. Anlegerinnen und Anleger können sich nicht auf eine lange Historie von Quartalszahlen, Kapitalmarktkommunikation oder Kursreaktionen stützen.

Insbesondere in den ersten Handelstagen kann es zu starken Preisbewegungen und hoher Volatilität kommen. Begrenzter Free Float, hohe Nachfrage, Gewinnmitnahmen oder Nachrichten rund um das Unternehmen können die Volatilität erhöhen.

Institutionelle Investoren verfügen häufig über umfangreichere Analysen und Daten als Privatanleger. Ein Börsengang ist daher kein Qualitätsurteil und stellt keine automatische Kaufempfehlung dar.

IPO-Hype und Anlegerpsychologie

IPOs gehören zu den Bereichen der Börse, in denen psychologische Faktoren besonders stark sichtbar werden. Besonders bekannte Unternehmen können bei den Anlegerinnen und Anlegern Emotionen auslösen. Markenbekanntheit, Gründerpersönlichkeiten, Zukunftsthemen und starke Kursbewegungen am ersten Handelstag verstärken diesen Effekt.

Ein zentraler psychologischer Treiber ist die Fear of Missing Out (FOMO). Berichten die Medien über eine hohe Nachfrage, überzeichnete Orderbücher oder starke Ersttagesgewinne, kann schnell der Eindruck entstehen, man müsse sofort handeln.

Auch soziale Medien, Börsenforen und Finanz-Influencer können diesen Eindruck verstärken. Dabei gilt jedoch: Hype ersetzt keine Analyse. Ein bekanntes Unternehmen ist nicht automatisch eine gute oder günstige Investition.

Gerade bei stark beachteten IPOs lohnt sich deshalb ein genauer Blick in den Emissionsprospekt. Dieser enthält in der Regel deutlich fundiertere Informationen als Schlagzeilen oder Diskussionen in den sozialen Medien.

Exkurs: Die grössten IPOs der Vergangenheit – und was sie zeigen

Historische Mega-IPOs zeigen eindrucksvoll, welche Bedeutung Börsengänge für Unternehmen und Kapitalmärkte haben können. Sie zeigen aber auch, dass Grösse, Bekanntheit und mediale Aufmerksamkeit allein keine Garantie für langfristigen Anlageerfolg sind.

Der Börsengang des saudischen Ölkonzerns Saudi Aramco gilt als einer der grössten IPOs der Geschichte. Die Transaktion machte deutlich, welche enorme Kapitalmenge über öffentliche Märkte mobilisiert werden kann.

Der Fahrdienstvermittler Uber Technologies gehörte zu den meistbeachteten Börsengängen der vergangenen Jahre. Das Unternehmen war bereits vor dem IPO weltweit bekannt und wurde als Symbol der Plattformökonomie wahrgenommen.

Der chinesische E-Commerce-Konzern Alibaba sorgte mit seinem Börsengang in New York weltweit für Aufmerksamkeit. Der IPO symbolisierte den Aufstieg chinesischer Technologieunternehmen auf die globale Bühne.

Der Börsengang von Facebook war eines der meistbeachteten Finanzereignisse des Jahrzehnts. Trotz technischer Probleme und kritischer Stimmen zum Börsenstart entwickelte sich das Unternehmen später zu einem der wertvollsten Technologiekonzerne der Welt.

Der Börsengang von Visa Inc. zählt zu den grössten und erfolgreichsten IPOs der US-Geschichte. Bemerkenswert ist, dass er mitten in der globalen Finanzkrise stattfand – einer Phase grosser Unsicherheit an den Kapitalmärkten. Trotz des schwierigen Umfelds entwickelte sich die Aktie langfristig sehr erfolgreich. Das Unternehmen profitierte vom weltweiten Trend zum elektronischen Bezahlen und konnte über Jahre hinweg stark wachsen.

Was Anleger aus historischen Mega-IPOs lernen können

Ein Blick auf grosse Börsengänge der Vergangenheit zeigt:  ein IPO allein sagt wenig über die langfristige Entwicklung eines Unternehmens beziehungsweise einer Aktie aus. Entscheidend ist weniger der Hype zum Start als vielmehr die nachhaltige Entwicklung danach.

  • Grösse ist kein Qualitätsversprechen

Ein hohes Emissionsvolumen sagt wenig darüber aus, wie sich eine Aktie nach dem Börsengang tatsächlich entwickelt.

  • Bekanntheit ist keine Bewertung

Starke Marken, prominente Gründerinnen und Gründer oder grosse mediale Aufmerksamkeit garantieren keine attraktive Bewertung oder erfolgreiche Kursentwicklung.

  • Der erste Handelstag ist nicht die ganze Geschichte

Viele Unternehmen durchlaufen nach ihrem Börsendebüt zunächst volatile oder schwächere Phasen. Kurzfristige Marktreaktionen und langfristige Unternehmensentwicklung sollten daher getrennt betrachtet werden.

  • Das Marktumfeld zählt

Zinsniveau, Konjunktur, Anlegerstimmung und Liquidität am Kapitalmarkt haben einen erheblichen Einfluss auf den Erfolg eines IPOs und können dessen Verlauf massgeblich prägen. Ein Börsengang in einem positiven Marktumfeld kann anders verlaufen als ein IPO in einer Phase steigender Zinsen oder erhöhter Unsicherheit.

Worauf sollten Schweizer Anlegerinnen und Anleger achten?

Auch für Schweizer Anlegerinnen und Anleger sind internationale IPOs relevant, selbst wenn die Erstnotiz an einer ausländischen Börse erfolgt. Dabei spielen mehrere praktische Faktoren eine Rolle. Wichtig sind unter anderem der Handelsplatz, die Handelswährung, die Gebührenstruktur, die Liquidität der Aktie und mögliche steuerliche Aspekte. Wer beispielsweise eine US-Aktie kauft, trägt zusätzlich zum Aktienrisiko auch ein Währungsrisiko gegenüber dem US-Dollar.

Passt die Aktie zur eigenen Anlagestrategie, zum Anlagehorizont und zur persönlichen Risikofähigkeit?

Auch die Handelszeiten können relevant sein. Internationale Aktien werden oft in anderen Zeitzonen gehandelt. Anleger sollten deshalb prüfen, wann die Aktie liquide handelbar ist und über welchen Handelsplatz sie kaufen oder verkaufen möchten. Zentral bleibt aber die grundsätzliche Frage: Passt die Aktie zur eigenen Anlagestrategie, zum Anlagehorizont und zur persönlichen Risikofähigkeit?

IPO-Checkliste: Wichtige Fragen vor dem Kauf

Bevor Anlegerinnen und Anleger bei einem Börsengang investieren, sollten sie sich mehrere Fragen hinsichtlich folgender Schwerpunkte stellen:

Schwerpunkt Unternehmen

  • Wie verdient das Unternehmen Geld?
  • Ist das Geschäftsmodell nachvollziehbar?
  • Ist das Unternehmen profitabel?
  • Welche Wachstumsperspektiven bestehen?

Schwerpunkt Bewertung

  • Wie hoch ist die Bewertung im Vergleich zu Wettbewerbern?
  • Sind hohe Erwartungen bereits eingepreist?

Schwerpunkt Emission

  • Wird neues Kapital aufgenommen?
  • Wofür sollen die Mittel verwendet werden?
  • Verkaufen bestehende Aktionäre Anteile?

Schwerpunkt Risiken

  • Welche Risiken nennt der Emissionsprospekt?
  • Wie abhängig ist das Unternehmen von einzelnen Märkten oder Produkten?

Schwerpunkt Aktie

  • Wie hoch wird der Free Float sein?
  • Wie liquide dürfte die Aktie sein?
  • An welchem Handelsplatz wird sie gehandelt?
  • In welcher Währung wird die Aktie gehandelt?
  • Passt die Aktie zur eigenen Anlagestrategie?

Schwerpunkt Persönlichkeit

  • Kaufe ich aufgrund von Analyse oder aufgrund von Hype?
  • Verstehe ich das Geschäftsmodell wirklich?
  • Passt das Investment zu meinem Anlagehorizont?
  • Kann ich stärkere Kursschwankungen aushalten?

Fazit: Ein IPO ist ein Anlass zur Analyse

Börsengänge gehören zu den spannendsten Ereignissen an den Finanzmärkten. Sie eröffnen Anlegerinnen und Anlegern Zugang zu neuen Unternehmen, neuen Branchen und potenziellen Wachstumsgeschichten. Gleichzeitig sind IPOs kein Garant für Kursgewinne.

Bekanntheit, Medienpräsenz oder starke Nachfrage ersetzen keine fundierte Analyse. Wer einen Börsengang beurteilen möchte, sollte nicht nur auf den ersten Handelstag schauen. Entscheidend sind langfristig das Geschäftsmodell, die Profitabilität, die Bewertung, die Risiken und die strategische Entwicklung des Unternehmens. Für Anlegerinnen und Anleger gilt deshalb: Ein IPO ist keine Kaufempfehlung, sondern vor allem ein Anlass, genau hinzuschauen.

FAQ: Häufige Fragen zum IPO

IPO steht für Initial Public Offering. Gemeint ist der erstmalige öffentliche Verkauf von Aktien eines Unternehmens. Durch einen IPO wird aus einem privaten Unternehmen eine börsenkotierte Gesellschaft.

Der IPO-Preis wird vor Handelsbeginn festgelegt. Der Börsenkurs entsteht nach Handelsstart durch Angebot und Nachfrage. Privatanleger kaufen häufig nicht zum IPO-Preis, sondern zum aktuellen Marktpreis an der Börse.

Das hängt vom jeweiligen Börsengang, der Bank und der Zuteilung ab. Häufig erhalten vor allem institutionelle Investoren Zugang zum IPO-Preis. Privatanleger kaufen oft erst nach Handelsbeginn.

Nein. Ein IPO ist keine Kaufempfehlung. Entscheidend sind Geschäftsmodell, Bewertung, Profitabilität, Risiken, Marktumfeld und die persönliche Anlagestrategie.

Nach dem Börsenstart gibt es noch wenig Börsenhistorie. Gleichzeitig treffen hohe Erwartungen, begrenzte Liquidität und neue Informationen aufeinander. Das kann zu erhöhter Volatilität führen.

Eine Lock-up-Frist ist ein Zeitraum nach dem IPO, in dem bestimmte Altaktionäre ihre Aktien nicht oder nur eingeschränkt verkaufen dürfen. Nach Ablauf dieser Frist kann zusätzlicher Verkaufsdruck entstehen.

Wichtig sind Geschäftsmodell, Bewertung, Finanzzahlen, Risiken, Mittelverwendung, Free Float, Liquidität, Handelsplatz und die Frage, ob die Aktie zur eigenen Strategie passt.

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