Tausende Aktien, Dutzende Länder, zahlreiche Branchen: Welt-ETFs versprechen maximale Streuung. Doch die Zahl der enthaltenen Unternehmen erzählt nur die halbe Geschichte. Ein Blick auf Gewichtungen zeigt: Ein globaler Aktien-ETF kann sehr breit aufgestellt und gleichzeitig deutlich konzentriert sein.
ETF-Sparpläne haben sich bei Privatanlegern als einfache Möglichkeit etabliert, regelmässig und langfristig in Aktien zu investieren. Statt einzelne Unternehmen auswählen zu müssen, genügt ein Sparplan auf einen breit aufgestellten ETF, um mit vergleichsweise wenig Aufwand an der Entwicklung vieler Unternehmen teilzuhaben.
- Aktuelle Auswertung der BX Swiss
- Was bedeutet Diversifikation bei einem Welt-ETF?
- Wie viele Aktien enthält ein All-World ETF und wie sind sie gewichtet?
- Warum können wenige grosse Unternehmen einen Welt-ETF stark beeinflussen?
- Warum ist der USA-Anteil in einem Welt-ETF so hoch?
- Welche Branchen sind in einem Welt-ETF besonders stark gewichtet?
- MSCI World, MSCI ACWI oder FTSE All-World: Wo liegen die Unterschiede?
- Wie viel Risiko reduziert ein breit diversifizierter Welt-ETF?
- Fazit: Wie diversifiziert ist ein Welt-ETF wirklich?
- FAQ: Welt-ETFs und Diversifikation
Aktuelle Auswertung der BX Swiss
Gerade globale Aktien-ETFs vermitteln dabei den Eindruck, mit einer einzigen Anlage praktisch den gesamten Aktienmarkt der Welt abzudecken. Auch die aktuelle Auswertung der BX Swiss zu den ETF-Sparplänen für Januar bis Juli 2026 zeigt, wie beliebt solche Produkte sind:
Top 10 Sparpläne nach Volumen Jan-Jul 26
| 1 | Invesco FTSE All-World UCITS ETF Acc | IE000716YHJ7 |
|---|---|---|
| 2 | Xtrackers (IE) FTSE All-World UCITS ETF 1C | IE000L6ZMMC4 |
| 3 | Vanguard FTSE All-World UCITS ETF (USD) Acc | IE00BK5BQT80 |
| 4 | Xtrackers S&P 500 UCITS ETF | IE000Z9SJA06 |
| 5 | Xtrackers Artificial Intelligence & Big Data UCITS ETF | IE00BGV5VN51 |
| 6 | iShares V MSCI ACWI UCITS ETF USD Acc | IE00B6R52259 |
| 7 | Swisscanto IE ESGen SDG Index Equity World UCITS ETF Acc | IE000ZI3FFP9 |
| 8 | Xtrackers NASDAQ 100 UCITS ETF | IE00BMFKG444 |
| 9 | Xtrackers (IE) MSCI World UCITS ETF 1C Acc | IE00BJ0KDQ92 |
| 10 | Invesco MSCI EM ESG Climate Paris Aligned UCITS ETF Acc | IE000PJL7R74 |
An der Spitze der Auswertung stehen der Invesco FTSE All-World UCITS ETF Acc, der Xtrackers (IE) FTSE All-World UCITS ETF 1C und der Vanguard FTSE All-World UCITS ETF (USD) Acc. Mehrere der meistgenutzten Sparpläne bilden globale Aktienindizes wie den FTSE All-World oder den MSCI ACWI ab und investieren damit in mehrere Tausend Unternehmen aus verschiedenen Ländern und Branchen.
Die Zahlen machen einen wichtigen Punkt sichtbar: Viele Anleger setzen auf Produkte, die mehrere Tausend Unternehmen rund um den Globus abdecken. Der FTSE All-World Index etwa umfasste per 30. Juni 2026 4’265 Unternehmen und deckt damit einen sehr grossen Teil der weltweit investierbaren Marktkapitalisierung ab.
Doch genau hier lohnt sich ein genauerer Blick: Denn die Anzahl der enthaltenen Aktien sagt noch nicht, wie stark das investierte Kapital tatsächlich über die einzelnen Unternehmen verteilt ist. Die Frage lautet deshalb nicht nur: Wie viele Aktien stecken in einem Welt-ETF? Sondern vor allem: Wie verteilt sich das investierte Kapital tatsächlich?
Was bedeutet Diversifikation bei einem Welt-ETF?
Diversifikation bedeutet grundsätzlich, das Vermögen auf verschiedene Anlagen zu verteilen. Dahinter steht eine einfache Idee: Wenn nicht alles vom gleichen Unternehmen, Land oder Wirtschaftssektor abhängt, kann ein einzelnes Ereignis das gesamte Portfolio weniger stark treffen.
Dabei ist zwischen verschiedenen Risiken zu unterscheiden. Das unternehmensspezifische Risiko betrifft beispielsweise Probleme eines einzelnen Unternehmens. Ein breit gestreuter ETF kann dieses Risiko erheblich reduzieren. Geht ein einzelner Konzern in Schwierigkeiten, betrifft das in einem Welt-ETF in der Regel nur einen kleinen Teil des gesamten Vermögens.
Daneben gibt es das Marktrisiko. Wenn die weltweiten Aktienmärkte aufgrund einer Rezession, einer Finanzkrise oder eines geopolitischen Schocks fallen, kann auch ein breit diversifizierter Welt-ETF deutlich an Wert verlieren.
Diversifikation bedeutet deshalb nicht, dass ein Portfolio risikofrei wird. Sie bedeutet vielmehr, dass bestimmte Einzelrisiken weniger stark ins Gewicht fallen.
Diversifikation: Clever investieren, Risiken streuen
Wie lässt sich ein Portfolio sinnvoll aufstellen und das Risiko besser verteilen? In der BX Plus Akademie erfährst du, warum Diversifikation beim Investieren eine wichtige Rolle spielt und wie du verschiedene Anlageklassen gezielt kombinieren kannst.
Wie viele Aktien enthält ein All-World ETF und wie sind sie gewichtet?
Der entscheidende Punkt bei klassischen Weltindizes ist die Gewichtungsmethode. Der FTSE All-World ist marktkapitalisierungsgewichtet. Vereinfacht gesagt, bedeutet das: Je grösser ein börsenkotiertes Unternehmen gemessen an seiner Marktkapitalisierung ist, desto stärker fliesst es in den Index ein. Bei der konkreten Berechnung berücksichtigt FTSE Russell dabei die tatsächliche Handelbarkeit der Aktien, also unter anderem den Free Float.
Die Marktkapitalisierung lässt sich vereinfacht so erklären:
Aktienkurs × Anzahl der ausstehenden Aktien = Marktkapitalisierung
Steigt der Börsenwert eines Unternehmens deutlich stärker als jener anderer Unternehmen, kann auch sein Gewicht im Index steigen. Der Index folgt damit der Struktur des Aktienmarktes, statt jedem Unternehmen unabhängig von seiner Grösse das gleiche Gewicht zu geben.
Das ist keine Schwäche des Index. Es ist schlicht die gewählte Methodik. Und sie führt zu einem wichtigen Ergebnis: Ein Welt-ETF ist breit diversifiziert, aber nicht gleichgewichtet.
Per Ende Juni 2026 lag das Gewicht der zehn grössten Unternehmen im FTSE All-World bei rund 22,8 Prozent. Das grösste Einzelunternehmen kam auf rund 4,46 Prozent. Zum Vergleich zeigt der Vanguard FTSE All-World ETF für denselben Stichtag eine ähnliche Struktur: Nvidia machte rund 4,45 Prozent aus, Apple knapp 4,0 Prozent und Microsoft rund 2,64 Prozent.
Was bedeutet das für CHF 10’000?
Ein Anleger, der beispielsweise CHF 10’000 in einen ETF investiert, der den FTSE All-World möglichst genau abbildet, hat nicht CHF 10’000 auf 4’265 Unternehmen verteilt, also nicht rund CHF 2.35 pro Unternehmen. Stattdessen fliessen rund CHF 445 in Nvidia, rund CHF 398 in Apple und rund CHF 264 in Microsoft, wenn man die Gewichtungen des Vanguard-Produkts per 30. Juni 2026 zugrunde legt.
Die vielen kleineren Unternehmen sind zwar ebenfalls enthalten. Ihr jeweiliger Anteil am Gesamtvermögen ist aber sehr viel kleiner. Die Zahl der Aktien beschreibt also die Breite eines Portfolios. Die Gewichtung beschreibt, wo das Geld tatsächlich steckt.
Warum sind Welt-ETFs nach Marktkapitalisierung gewichtet?
Bei einem marktkapitalisierungsgewichteten Index entsteht ein selbstverstärkender Mechanismus: Wenn die Marktkapitalisierung eines grossen Unternehmens steigt, nimmt grundsätzlich auch dessen Gewicht im Index zu. Fällt die Marktkapitalisierung relativ zum Gesamtmarkt, sinkt sein Anteil.
Der Index versucht damit nicht, eine möglichst gleichmässige Verteilung zu konstruieren. Er bildet vielmehr den investierbaren Aktienmarkt nach seiner wirtschaftlichen Grösse ab.
Das hat einen entscheidenden Vorteil: Anleger müssen nicht selbst entscheiden, welches Unternehmen künftig gross sein wird. Unternehmen, die wachsen und an Börsenwert gewinnen, bekommen automatisch mehr Gewicht. Gleichzeitig bedeutet es aber auch, dass Anleger stärker in jene Unternehmen investiert sind, die am Markt aktuell besonders hoch bewertet werden.
Warum können wenige grosse Unternehmen einen Welt-ETF stark beeinflussen?
Die zehn grössten Unternehmen des FTSE All-World machten per Ende Juli 2026 rund 23,7 Prozent des Index aus. Das ist einerseits eine breite Streuung. Mehr als drei Viertel des Index entfallen weiterhin auf die übrigen Tausenden Unternehmen. Andererseits haben die grössten Konzerne einen spürbaren Einfluss auf die Entwicklung des Gesamtindex.
Auffällig ist dabei, dass mehrere der grössten Positionen aus ähnlichen Wirtschaftsbereichen stammen. Nvidia, Apple, Microsoft, Alphabet und Broadcom sind beispielsweise stark mit Technologie und Digitalisierung verbunden. Amazon kommt aus dem zyklischen Konsum, Meta aus dem Bereich Kommunikationsdienste. Die Betrachtung einzelner Unternehmen reicht deshalb noch nicht aus.
Warum ist der USA-Anteil in einem Welt-ETF so hoch?
Auch geografisch bedeutet „weltweit“ nicht, dass jedes Land denselben Anteil erhält. Der Grund ist wiederum die Marktkapitalisierung. Die USA stellen gemessen am Börsenwert mit grossem Abstand den grössten Aktienmarkt der Welt. Entsprechend hoch ist ihr Gewicht in einem kapitalisierungsgewichteten Weltindex.
Beim Vanguard FTSE All-World ETF entfielen per 30. Juni 2026 rund 61,7 Prozent auf die USA. Japan kam auf 5,9 Prozent, Taiwan auf 3,38 Prozent, Grossbritannien auf 3,18 Prozent und Kanada auf 2,91 Prozent. Die Schweiz lag bei gut 2 Prozent.
Wer also einen „Welt-ETF“ kauft, besitzt keineswegs automatisch ein Portfolio, in dem beispielsweise die USA, Europa, Japan, China und die Schweiz ähnlich stark vertreten sind. Vielmehr zeigt der ETF, wie der weltweite Aktienmarkt nach seiner Börsenkapitalisierung gewichtet ist.
Das erklärt auch, warum die USA einen so grossen Anteil ausmachen. Dort sitzen nicht nur viele börsenkotierte Unternehmen, sondern vor allem einige der wertvollsten Konzerne der Welt.
Welche Branchen sind in einem Welt-ETF besonders stark gewichtet?
Dasselbe Prinzip gilt für die Branchen. Ein Weltindex enthält zwar Unternehmen aus zahlreichen Wirtschaftsbereichen. Die einzelnen Sektoren haben aber sehr unterschiedliche Gewichte.
Beim MSCI ACWI entfielen Ende März 2026 rund 26,4 Prozent auf Informationstechnologie, gefolgt von Finanzwerten mit 16,9 Prozent und Industrieunternehmen mit 11,3 Prozent.
Der hohe Technologieanteil ist kein Zufall. Die grossen US-Technologiekonzerne gehören heute zu den wertvollsten Unternehmen der Welt und erhalten deshalb bei einer Marktkapitalisierungsgewichtung entsprechend viel Gewicht.
Der aktuelle KI-Boom macht diesen Effekt besonders sichtbar. Unternehmen, die von Investitionen in künstliche Intelligenz, Rechenzentren, Halbleiter oder Cloud-Infrastruktur profitieren, haben teilweise stark an Börsenwert gewonnen. Das kann ihren Einfluss auf kapitalisierungsgewichtete Indizes erhöhen.
Wichtig ist allerdings: Nicht jedes grosse Technologieunternehmen ist ein „KI-Unternehmen“. Unternehmen wie Apple, Microsoft, Amazon, Alphabet oder Meta sind in unterschiedlichen Geschäftsmodellen aktiv. KI ist für viele von ihnen ein wichtiger Wachstumstreiber, aber nicht das gesamte Geschäftsmodell.
MSCI World, MSCI ACWI oder FTSE All-World: Wo liegen die Unterschiede?
Der MSCI World umfasst grosse und mittelgrosse Unternehmen aus den entwickelten Märkten. Schwellenländer sind nicht enthalten. Der Index kam Ende Juni 2026 auf rund 1’283 Unternehmen. Der MSCI ACWI geht einen Schritt weiter und kombiniert entwickelte Märkte mit Schwellenländern. Ende März 2026 enthielt der Index 2’515 Unternehmen. Der FTSE All-World umfasst ebenfalls entwickelte und Schwellenländer und kam per Ende Juni 2026 auf 4’265 Unternehmen.
Nicht jeder „Welt-ETF“ investiert in dieselbe Welt.
Damit gilt auch hier: Der Begriff „Welt-ETF“ allein sagt noch nicht genau, welche Märkte und Unternehmen enthalten sind. Anleger sollten einen Blick auf den zugrunde liegenden Index werfen.
Wie viel Risiko reduziert ein breit diversifizierter Welt-ETF?
Ein breit gestreuter Welt-ETF kann für Privatanleger eine sehr einfache Möglichkeit sein, das unternehmensspezifische Risiko stark zu reduzieren. Statt auf wenige einzelne Aktien zu setzen, beteiligt sich der Anleger an Tausenden Unternehmen aus zahlreichen Ländern und Branchen. Damit sinkt die Abhängigkeit von einem einzelnen Unternehmen erheblich. Das allgemeine Aktienmarktrisiko verschwindet dadurch jedoch nicht.
Wenn die weltweiten Aktienmärkte fallen, wird auch ein Welt-ETF in der Regel fallen. Und weil ein marktkapitalisierungsgewichteter Index grosse Märkte, Unternehmen und Branchen stärker gewichtet, kann die Wertentwicklung zusätzlich von diesen Schwergewichten geprägt werden.
Ein Welt-ETF ist deshalb weder eine gleichmässig über die Welt verteilte Anlage noch eine Garantie gegen Verluste. Er ist vielmehr eine breite Beteiligung am globalen Aktienmarkt – mit den Gewichten, die dieser Markt selbst vorgibt.
Flexibel, transparent, effizient: ETFs als smarte Lösungen
ETFs (Exchange Traded Funds) sind die smarte Art, dein Geld breit zu streuen und gleichzeitig Kosten zu sparen. Ob Einsteiger oder erfahrener Anleger – ETFs bieten dir eine einfache Möglichkeit, an der Entwicklung der globalen Märkte teilzuhaben, flexibel zu investieren und Ihre Finanzen langfristig zu optimieren.
Fazit: Wie diversifiziert ist ein Welt-ETF wirklich?
Die Vorstellung „Tausende Aktien = maximale Diversifikation“ greift zu kurz. Ein All-World-ETF ist tatsächlich sehr breit aufgestellt. Mit mehreren Tausend Unternehmen aus entwickelten und aufstrebenden Märkten bietet er eine wesentlich breitere Streuung als ein Portfolio mit wenigen Einzelaktien.
Doch Diversifikation hat mehrere Dimensionen. Ein Anleger sollte nicht nur fragen, wie viele Aktien ein ETF enthält, sondern auch:
- Wie hoch ist das Gewicht der zehn grössten Unternehmen?
- Wie gross ist der Anteil der USA?
- Welche Branchen dominieren?
- Sind Schwellenländer enthalten?
- Wie wird der zugrunde liegende Index gewichtet?
Gerade bei einem marktkapitalisierungsgewichteten Weltindex gilt deshalb ein scheinbarer Widerspruch: Man kann gleichzeitig in Tausende Unternehmen investieren und dennoch stark von einigen wenigen grossen Unternehmen, Ländern und Branchen abhängig sein. Das ist kein Konstruktionsfehler. Es ist die logische Folge davon, wie der globale Aktienmarkt heute aufgebaut ist – und wie ein solcher Index diesen Markt abbildet.
