Analyse von David Kunz, CIO bei BX Swiss

Nach einem von Künstlicher Intelligenz (KI), defensiven Sachwerten, Edelmetallen und einem schwächeren US-Dollar geprägten Börsenjahr 2025 rückt 2026 weniger „das eine grosse Thema“ in den Vordergrund als das Zusammenspiel mehrerer Trends: KI-Investitionen entlang der Wertschöpfungskette, der steigende Energie- und Infrastrukturbedarf sowie geopolitische und geldpolitische Rahmenbedingungen. Dieser Ausblick ordnet die wichtigsten Themenfelder, Regionen und Risiken aus Sicht der Schweizer Börse BX Swiss ein.

Key Takeaways 2026

  • KI bleibt struktureller Treiber – besonders über Infrastruktur (Halbleiter, Rechenzentren, Datenplattformen).

  • Energie und Netze werden zum Engpassfaktor: Strombedarf, Netzstabilität und Investitionszyklen rücken in den Fokus.

  • Europa/Schweiz vs. USA: Europa wird oft mit moderateren Bewertungen verknüpft, die USA bleiben Innovationszentrum – teils mit höheren Bewertungen.

  • Hauptrisiken: Geldpolitik/Inflation, Konzentrationsrisiken, geopolitische Ereignisse und handelspolitische Spannungen.

Anlagetrends 2026: KI, Rechenzentren und Automatisierung

In zahlreichen Markteinschätzungen sind Künstliche Intelligenz, Automatisierung und Dateninfrastruktur nach wie vor zentrale Treiber. Betrachtet man die gesamte Wertschöpfungskette, so stehen insbesondere die folgenden dieser Bereiche im Fokus:

  • Software- und KI-Anwendungen in Branchen wie dem Gesundheitswesen, den Finanzdienstleistungen oder der Industrie, mit dem Ziel, die Effizienz und Produktivität zu steigern.

  • Halbleiter und spezialisierte Hardware, die die notwendige Rechenleistung für komplexe KI-Modelle bereitstellen.

  • Daten- und Rechenzentrums-Infrastruktur inklusive der Betreiber und Immobiliengesellschaften, die Rechenzentren planen, bauen und betreiben.

Eng damit verbunden sind die Bereiche Energie, Strom und Versorger. KI-Anwendungen und Rechenzentren erhöhen den Strombedarf erheblich. Entsprechend richtet sich die Aufmerksamkeit vieler Marktteilnehmer auf Energieversorger und Netzbetreiber sowie auf Unternehmen, die Rechenzentrums-Immobilien entwickeln oder betreiben, und auf Investitionen in Erzeugungs- und Netzinfrastruktur. Dieser Bereich wird zunehmend als Schnittstelle zwischen Digitalisierung, Energiewende und Versorgungssicherheit wahrgenommen.

Vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen bleiben zudem Sicherheit, Rüstung und Infrastruktur in vielen Marktkommentaren wichtige Themen. Diskutiert werden dabei Rüstungs- und Sicherheitsunternehmen sowie Infrastrukturunternehmen in den Bereichen Verkehr, Energie und digitale Netze.

Parallel dazu haben sich weitere Anlagefelder etabliert:

  • Kryptowährungen, allen voran Bitcoin, werden von Teilen des Marktes als eigenständiges Anlagethema betrachtet. Im laufenden Jahr waren erneut starke Schwankungen zu beobachten, von neuen Höchstständen bis hin zu deutlichen Rücksetzern. Diese Schwankungen sind in Teilen des Marktes mittlerweile bekannt. In manchen Kommentaren wird Bitcoin als langfristiger Profiteur von Geldentwertung und als „digitales Knappheitsgut” betrachtet. Zugleich wird immer wieder betont, dass Kryptowährungen eine hochvolatile Anlageklasse bleiben. Deshalb werden sie eher als Beimischung zu traditionellen Anlageformen wie Aktien und Gold betrachtet, häufig im Zusammenhang mit risikoaffinere Anlegerprofilen.

  • Rohstoffe, insbesondere Edelmetalle, stehen im aktuellen Umfeld ebenfalls stark im Fokus. In zahlreichen Marktkommentaren werden Gold und Silber als mögliche Profiteure einer Welt mit hoher Staatsverschuldung und „weichen” Währungen genannt. Ergänzend werden Gold- und Silberminenwerte als indirekter Hebel auf die Entwicklung der Metallpreise thematisiert. Darüber hinaus rücken Industriemetalle wie Kupfer vor dem Hintergrund der Elektrifizierung und Energiewende sowie Uran und Kernkraft im Zusammenhang mit dem durch KI und Rechenzentren steigenden Strombedarf stärker in den Vordergrund.

  • Nachhaltige Anlagen bleiben ein übergreifendes Thema, das viele dieser Entwicklungen miteinander verbindet. Während sich die Diskussion früher stärker auf ESG-Label und Ratings fokussiert war, verschiebt sie sich zunehmend hin zu konkreten Lösungsansätzen. Dazu gehören die Dekarbonisierung der Industrie, der Ausbau erneuerbarer Energien, die Steigerung der Energieeffizienz sowie die Infrastruktur für Elektrifizierung und Kreislaufwirtschaft. Dabei werden KI, Energieversorgung und Nachhaltigkeit werden dabei weniger als Gegensätze, sondern vielfach als eng verbundene Themenfelder betrachtet.

Aus Börsensicht lässt sich festhalten: KI bleibt ein dominanter Treiber, ergänzt durch Rohstoffe und Edelmetalle, digitale Vermögenswerte und nachhaltige Infrastrukturthemen. Wie stark diese Schwerpunkte in Portfolios berücksichtigt werden, hängt von Risikoprofil, Anlagehorizont und regulatorischen Rahmenbedingungen ab.

Regionen und Sektoren im Fokus

Die aktuelle Marktdiskussion geht nicht von einem radikalen Themenwechsel aus, sondern von regionalen und sektoralen Schwerpunkten innerhalb dieser bekannten Trends.

In vielen Marktanalysen wird Europa, einschliesslich der Schweiz und Deutschland, als Region mit moderaten Bewertungen im Vergleich zu den USA beschrieben. Beide Märkte sind in den vergangenen Jahren hinter den grossen US-Indizes zurückgeblieben und gelten daher vielfach als eher günstiger bewertet.

In der Schweiz wirkt zusätzlich das Zinsumfeld unterstützend: Mit einem Leitzins von rund 0 % sehen viele Analysten Rückenwind für den Immobiliensektor. Exportorientierte Schweizer Unternehmen könnten kurzfristig belastet sein, werden nach einer Anpassungsphase aber weiterhin als strukturell interessant beschrieben.

Die USA bleiben wichtigster Standort für Hightech- und KI-Unternehmen. Der dortige Markt wird jedoch in vielen Kommentaren als hoch bewertet eingeschätzt, insbesondere im Umfeld des KI-Hypes. Für die kommenden Jahre werden weitere Zinssenkungen diskutiert, teils auf Niveaus unter 3 %. Ein solches Umfeld wird häufig mit der Aussicht auf einen tendenziell schwächeren US-Dollar und Unterstützung für reale Sachwerte wie Aktien, Edelmetalle oder Immobilien verknüpft. US-Aktien gelten weiterhin als zentral, wenn es um Wachstums- und Innovationsthemen geht, während europäische Märkte eher mit einem Qualitäts- und Value-Profil verbunden werden.

Auf Sektoren-Ebene lassen sich mehrere wiederkehrende Schwerpunkte herausarbeiten:

  • Hightech und KI-Software mit breiten Anwendungsmöglichkeiten in verschiedenen Branchen,

  • KI-Infrastruktur: Rechenzentren, Data Center, Energie- und Stromversorger sowie Unternehmen, die Automatisierungs- und Robotiklösungen für Industrie, Logistik oder Einzelhandel anbieten.

  • Aerospace und Biotechnologie als langfristige Megatrends mit hohem F&E-Anteil und strukturellem Wachstum.

  • Gold und Silber als langfristige Absicherungsbausteine

Risiken 2026: Zinsen, Konzentration, Geopolitik und Midterms

Im Vordergrund stehen weniger einzelne „heisse Themen“ als die Rahmenbedingungen, unter denen sie sich entfalten:

  • Zins- und Geldpolitik

    Erwartete weitere Zinssenkungen, insbesondere in den USA, können die Bewertungen von Aktien, Immobilien und Kryptowährungen beeinflussen. Ausschlaggebend bleibt, ob die Inflation nachhaltig unter Kontrolle ist, denn davon hängt die Tragfähigkeit der heute eingepreisten Gewinn- und Zinsannahmen ab. Parallel dazu spielen in den USA neben der Geldpolitik auch handelspolitische Fragen, darunter mögliche Änderungen bei Zöllen, eine Rolle. Das Zusammenspiel von Zins- und Handelspolitik kann die Rahmenbedingungen für Unternehmen und Finanzmärkte verändern. Die konkreten Auswirkungen lassen sich derzeit jedoch nicht verlässlich abschätzen.

  • Bewertungen und Konzentrationsrisiken

    Ein grosser Teil der Kursentwicklung der vergangenen Jahre wurde von wenigen, sehr grossen Hightech- und KI-Werten getragen. 2026 dürfte daher die Frage im Mittelpunkt stehen, ob die realisierten Unternehmensgewinne mit den hohen Erwartungen Schritt halten und wie stark Märkte und Portfolios von einzelnen Themen oder Regionen abhängen.

  • Energie- und Stromversorgung im KI-Zeitalter

    KI, Rechenzentren und Elektrifizierung erhöhen den Strombedarf, während Energiewende, Versorgungssicherheit und Kosten gleichzeitig ausbalanciert werden müssen. Für viele Branchen bleiben Energiepreise und die Netzstabilität wichtige Faktoren für die Ergebnisentwicklung.

  • Geopolitische Umfeld

    Konflikte, Wahlzyklen und Handelsspannungen können sich schnell auf Lieferketten, Rohstoffpreise, Währungen und ganze Sektoren auswirken. 2026 dürfte erneut ein Jahr sein, in dem politische Ereignisse zeitweise stärker auf die Märkte durchschlagen als reine Fundamentaldaten. Ein Beispiel sind die im November 2026 anstehenden Zwischenwahlen in den USA (Midterm Elections). Der längere Wahlkampf mit zugespitzter Rhetorik und taktischen Manövern beider Parteien kann vorübergehend zu zusätzlicher Unsicherheit und Volatilität führen.

Fazit aus Börsensicht (BX Swiss): Was Anleger beachten sollten

Auch 2026 werden die Märkte Phasen erhöhter Volatilität und temporärer Korrekturen durchlaufen. Aus Sicht der BX Swiss lässt sich Folgendes festhalten:

  • Die Kombination aus strukturellem Wachstum (u.a. durch KI, Digitalisierung, Infrastruktur und Gesundheitswesen) und kurzfristigen Schwankungen wird die Märkte voraussichtlich weiter prägen.

  • Die Aufgabe der Börse besteht darin, in allen Marktphasen einen transparenten, fairen und geordneten Handel sicherzustellen und somit eine neutrale Infrastruktur bereitzustellen.

  • Wie stark einzelne Themen, Regionen oder Anlageklassen in einem Portfolio abgebildet werden, hängt vom individuellen Risikoprofils, Anlagehorizonts und dem jeweiligen regulatorischen Umfeld ab – und liegt in der Verantwortung der Anlegerinnen und Anleger.

Autoren & Methodik

bx portrait david kunz

Autor: David Kunz, CIO BX Swiss

Datenquelle: BX Swiss Handelsdaten

Zeitraum: 01.01. – 31.10.2025

Definitionen: „Transaktionen“ (Anzahl), „Volumen“ (CHF)

Hinweis: Bei diesem Artikel handelt es sich um eine Werbemitteilung. Diese Information wurde von BX Swiss bereitgestellt. Zusätzlich zum untenstehenden Haftungsausschluss enthält das auf dieser Seite enthaltene Informationsmaterial weder eine Auflistung von Handelspreisen, eine Empfehlung oder eine Anlagestrategie für ein Finanzinstrument oder Emittent, noch ein Angebot oder eine Aufforderung zu einer Transaktion in einem Finanzinstrument oder entsprechend einer Anlagestrategie. BX Swiss übernimmt keine Verantwortung für die Verwendung dieser Kommentare und die daraus resultierenden Folgen. Es wird keine Zusicherung oder Gewähr für die Richtigkeit oder Vollständigkeit dieser Informationen gegeben. Folglich trägt der Anleger alleinverantwortlich das Risiko für einzelne Anlageentscheidungen. Jede angebotene Analyse berücksichtigt nicht spezifische Ziele, die finanzielle Situation und die Bedürfnisse einer bestimmten Person, die sie empfangen kann. Sie wurde nicht in Übereinstimmung mit den gesetzlichen Vorschriften zur Erstellung und Verbreitung von Empfehlungen zu Finanzinstrumenten oder Anlagestrategien erstellt und gilt daher als Werbemitteilung. Zum Disclaimer

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