Immer mehr Menschen in der Schweiz investieren in ETFs. Besonders Frauen entdecken die börsengehandelten Fonds zunehmend für sich. Gleichzeitig gewinnen ETF-Sparpläne, digitale Informationskanäle und aktiv verwaltete ETFs an Bedeutung. Die neue ETF-Anlegerstudie Schweiz 2026 der Hochschule Luzern zeigt, wie sich das Anlageverhalten verändert und worauf du als selbstbestimmter Anleger achten solltest.
- ETFs gewinnen weiter an Bedeutung
- Frauen treiben das Wachstum der ETF-Nutzung
- Finanzwissen: Frauen holen auf, Wissenslücken bleiben
- Finanzinformationen: KI und FinFluencer gewinnen an Bedeutung
- ETF-Sparpläne: Viel Interesse, aber noch wenig Nutzung
- BX plus Akademie: Dein Einstieg in ETFs
- Aktive ETFs: Mehr Auswahl, aber auch mehr Komplexität
- Fazit: ETFs werden beliebter, aber fundierte Anlageentscheidungen bleiben entscheidend
- Über die Studie
ETFs gewinnen weiter an Bedeutung
ETFs (Exchange Traded Funds) haben sich in der Schweiz als wichtige Anlageform etabliert. Bereits die ETF-Anlegerstudie 2025 zeigte, dass börsengehandelte Fonds zunehmend an Bedeutung gewinnen. Die aktuellen Ergebnisse bestätigen diesen Trend: 35 Prozent der Schweizer Anlegerinnen und Anleger investieren mittlerweile in ETFs. Im Vorjahr waren es noch 31 Prozent.
Auch auf dem Schweizer Fondsmarkt setzt sich die Entwicklung fort. Der Anteil der ETFs am verwalteten Vermögen der Schweizer Publikumsfonds stieg von 26 Prozent im Jahr 2025 auf 30 Prozent im Jahr 2026. Gleichzeitig wuchs die Zahl verfügbarer ETFs von 1’511 auf rund 1’700.
Auffällig ist auch die Entwicklung beim Neugeld: Zwischen 2021 und 2026 lag die durchschnittliche jährliche Nettoneugeldquote bei ETFs bei 11 Prozent, gegenüber lediglich 2 Prozent bei klassischen Anlagefonds. Das zeigt, dass ETFs einen überdurchschnittlich grossen Anteil der neuen Mittel anziehen.
Für Privatanleger bedeutet das vor allem eines: Die Auswahl an Anlagemöglichkeiten wächst. ETFs ermöglichen es, mit einem einzigen Wertpapier in zahlreiche Unternehmen oder andere Vermögenswerte zu investieren. Die zunehmende Produktvielfalt stellt Anleger aber auch vor neue Entscheidungen.
Frauen treiben das Wachstum der ETF-Nutzung
Während die ETF-Anlegerschaft 2025 noch stark von jüngeren, gut ausgebildeten Männern geprägt war, zeigt die aktuelle Studie eine interessante Veränderung: Frauen tragen rund 70 Prozent zum beobachteten Zuwachs der ETF-Nutzung bei.
Der Anteil der Anlegerinnen, die ETFs nutzen, stieg innerhalb eines Jahres von 21 auf 27 Prozent. Bei Männern erhöhte sich dieser Wert lediglich von 38 auf 39 Prozent.
Auch das Alter bleibt ein wichtiger Faktor. Von den unter 45-jährigen Anlegern investieren mittlerweile 44 Prozent in ETFs. Bei den Anlegern ab 45 Jahren liegt der Anteil dagegen bei 26 Prozent.
Die Ergebnisse zeigen: ETFs sprechen zunehmend breitere Anlegergruppen an. Gleichzeitig bleiben deutliche Unterschiede zwischen den Generationen bestehen.
Für selbstbestimmte Anleger ist diese Entwicklung interessant, denn ETFs ermöglichen den eigenständigen Aufbau eines diversifizierten Portfolios. Die Auswahl der Produkte, ihre Gewichtung und die laufende Überprüfung der Anlagestrategie liegen dabei in der eigenen Verantwortung.
Finanzwissen: Frauen holen auf, Wissenslücken bleiben
Mit der steigenden ETF-Nutzung verbessert sich auch das Wissen über die Produkte. Besonders deutlich ist diese Entwicklung bei Frauen.
Während 2025 erst 38 Prozent der befragten Anlegerinnen über mindestens grundlegende ETF-Kenntnisse verfügten, sind es 2026 bereits 44 Prozent. Bei Männern blieb dieser Anteil mit 64 Prozent unverändert.
Die Wissenslücke zwischen Frauen und Männern wird damit kleiner. Allerdings zeigt die Studie auch, dass Finanzbildung weiterhin eine wichtige Rolle spielt.
Denn ETFs sind nicht automatisch einfache oder risikoarme Anlagen. Wie hoch das Risiko ist, hängt unter anderem davon ab, welche Märkte, Unternehmen oder Anlageklassen ein ETF abbildet. Ein breit gestreuter Weltaktien-ETF unterscheidet sich beispielsweise deutlich von einem ETF, der ausschliesslich in Technologieunternehmen investiert.
Wer selbst investiert, sollte deshalb nicht nur wissen, wie ein ETF gekauft wird, sondern auch verstehen, was im Produkt enthalten ist, welche Kosten entstehen und welche Risiken bestehen.
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Mehr InformationenFinanzinformationen: KI und FinFluencer gewinnen an Bedeutung
Eine weitere interessante Erkenntnis betrifft die Frage, wo sich Anleger heute informieren.
Digitale Informationsangebote spielen insbesondere bei ETF-Anlegern eine grosse Rolle. 79 Prozent nutzen mindestens einen der untersuchten Online-Kanäle, um sich über Finanzanlagen zu informieren.
Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Generationen. Während Finanzplattformen und Webseiten von Produktanbietern altersübergreifend beliebt sind, nutzen jüngere ETF-Anleger zusätzliche digitale Angebote deutlich häufiger.
So informieren sich 32 Prozent der ETF-Anleger unter 45 Jahren mithilfe von KI-Tools wie ChatGPT. Bei den über 45-Jährigen sind es 17 Prozent. Auch Social-Media-Plattformen werden von jüngeren ETF-Anlegern häufiger genutzt.
Eine besondere Rolle spielen sogenannte FinFluencer, die auf Social Media über Finanzen und Geldanlagen informieren.
Mehr als die Hälfte der ETF-Anleger unter 45 Jahren hatte bereits Kontakt mit FinFluencern. Bei älteren ETF-Anlegern sind es lediglich 18 Prozent.
Hinweis: Digitale Informationsquellen können helfen, Finanzthemen verständlicher zu machen, Produkte zu vergleichen und neue Anlagemöglichkeiten kennenzulernen. Entscheidend ist jedoch, Informationen kritisch zu prüfen.
ETF-Sparpläne: Viel Interesse, aber noch wenig Nutzung
Bereits die ETF-Anlegerstudie 2025 zeigte ein grosses Interesse an ETF-Sparplänen. Die neue Studie untersucht nun erstmals auch die tatsächliche Verbreitung solcher Angebote im Schweizer Markt.
Demnach bestehen bei den untersuchten Anbietern mehr als 110’000 selbstverwaltete ETF-Sparpläne, in denen mindestens 800 Millionen Franken investiert sind.
Bei einem ETF-Sparplan legt man selbst fest, in welche ETFs man investieren möchtest. Anschliessend wird in regelmässigen Abständen automatisch ein bestimmter Betrag angelegt, beispielsweise monatlich.
Solche Sparpläne sind besonders bei jüngeren Anlegern beliebt: 73 Prozent der heutigen Nutzer sind unter 45 Jahre alt.
Trotzdem sind ETF-Sparpläne noch vergleichsweise wenig verbreitet. Von den Befragten, die im frei verfügbaren Vermögen investieren, nutzen 14 Prozent einen ETF-Sparplan. Rund ein Drittel zeigt Interesse an einem entsprechenden Angebot.
Eine wesentliche Hürde ist dabei fehlendes Wissen. Unter den wenig oder gar nicht Interessierten nennen 56 Prozent Informations- und Wissensdefizite als Grund. Kostenbedenken spielen mit lediglich 4 Prozent eine deutlich kleinere Rolle.
Für den langfristigen Vermögensaufbau können ETF-Sparpläne eine praktische Lösung sein. Sie ermöglichen regelmässiges Investieren mit überschaubarem organisatorischem Aufwand.
Allerdings sollte man beim Vergleich verschiedener Sparplanangebote nicht nur auf die laufenden Kosten der ETFs achten. Auch Transaktionsgebühren, Währungsumrechnungskosten und die verfügbaren Produkte können einen Unterschied machen.
BX plus Akademie: Dein Einstieg in ETFs
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Aktive ETFs: Mehr Auswahl, aber auch mehr Komplexität
Ein weiterer Trend verändert den ETF-Markt: Aktiv verwaltete ETFs gewinnen deutlich an Bedeutung. Traditionell bilden ETFs einen bestimmten Index nach, beispielsweise einen globalen Aktienindex. Bei aktiv verwalteten ETFs entscheidet hingegen ein Fondsmanagement über die Auswahl und Gewichtung der Wertpapiere. Das Ziel besteht häufig darin, eine höhere Rendite als ein Vergleichsindex zu erzielen.
Die neue Studie zeigt, wie stark dieses Segment wächst: Bereits 13 Prozent der in der Schweiz verfügbaren ETFs werden aktiv verwaltet. Von den zwischen Mitte 2025 und Mitte 2026 neu lancierten ETFs entfielen 43 Prozent auf aktive Produkte. Auch das Interesse der Anleger nimmt zu. Während 2025 noch 27 Prozent der ETF-Anleger Interesse an aktiven ETFs zeigten, sind es 2026 bereits 37 Prozent. Allerdings bleiben passive ETFs deutlich beliebter.
Ein wichtiger Unterschied liegt bei den Kosten: Laut Studie betragen die durchschnittlichen laufenden Kosten aktiver ETFs 0,35 Prozent, gegenüber 0,26 Prozent bei passiven ETFs. Die höheren Kosten sind nicht zwangsläufig mit einer besseren Wertentwicklung verbunden. Ob ein aktives Management tatsächlich einen Mehrwert schafft, lässt sich erst im Vergleich mit einer passenden Benchmark und über einen ausreichend langen Zeitraum beurteilen.
Bemerkenswert ist zudem, dass 43 Prozent der Befragten, die sich gegen aktive ETFs aussprechen, das Konzept nicht ausreichend verstehen. Für Anleger wird es deshalb wichtiger, nicht allein auf die Bezeichnung «ETF» zu achten, sondern sich mit der zugrunde liegenden Anlagestrategie auseinanderzusetzen.
Fazit: ETFs werden beliebter, aber fundierte Anlageentscheidungen bleiben entscheidend
Die ETF-Anlegerstudie Schweiz 2026 bestätigt einen langfristigen Trend: ETFs gewinnen im Schweizer Anlagegeschäft weiter an Bedeutung. Besonders Frauen und jüngere Anleger tragen zum Wachstum bei. Gleichzeitig verändern digitale Informationsangebote und neue ETF-Produkte den Markt.
Für selbstbestimmte Privatanleger ergeben sich daraus zusätzliche Möglichkeiten. Das wachsende Angebot erleichtert den Zugang zu unterschiedlichen Märkten und Anlagestrategien, macht die Produktauswahl aber auch anspruchsvoller.
Entscheidend ist deshalb nicht, möglichst viele ETFs im Portfolio zu halten, sondern diejenigen Produkte auszuwählen, die zur eigenen Anlagestrategie, Risikobereitschaft und zum Anlagehorizont passen. Mit verständlichen Informationen und fundiertem Finanzwissen lassen sich die Möglichkeiten von ETFs besser einordnen und eigenständige Anlageentscheidungen treffen.
Über die Studie
Die ETF-Anlegerstudie Schweiz 2026 wurde von der Hochschule Luzern (HSLU) im Auftrag von finanzen.ch durchgeführt. Grundlage ist eine repräsentative Befragung von 3’572 Personen im Alter von 18 bis 79 Jahren in der Deutsch- und Westschweiz. Die Erhebung fand zwischen dem 28. Mai und dem 9. Juni 2026 statt. Die Repräsentativität bezieht sich auf Alter, Geschlecht und Sprachregion.
Die BX Swiss unterstützte die Studie als Goldsponsor. Die wissenschaftliche Verantwortung liegt bei der Hochschule Luzern.
Weiterführende Informationen:
ETF-Anlegerstudie Schweiz 2026 – vollständige Studie der HSLU
ETF-Anlegerstudie Schweiz 2025 – bisheriger Beitrag auf BX plus
