Während hierzulande die Temperaturen fallen, ist es auch an den Aktienmärkten zuletzt empfindlich kühl geworden. Besonders die zuvor heiss gelaufenen Technologiewerte haben einen frostigen Herbstgruss erhalten. Enttäuschende Geschäftszahlen von Intel und Zweifel an der Rentabilität milliardenschwerer KI-Investitionen drücken vor allem bei Chip-Aktien auf die Stimmung. Diesem Abwärtsstrudel konnte sich auch STMicroelectronics nicht entziehen. Dabei hat der europäische Halbleiterhersteller operativ gerade erst gezeigt, dass sein Wachstumsmotor wieder auf Touren kommt.
Der jüngst vorgelegte Zahlenkranz kann sich durchaus sehen lassen. Im dritten Quartal steigerte STMicroelectronics den Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 17.9% auf USD 3.76 Mrd. Damit übertraf das Unternehmen sowohl seine eigene Prognose als auch die Markterwartungen. Noch eindrucksvoller fiel die Ergebnisentwicklung aus: Der operative Gewinn verdoppelte sich auf USD 367 Mio., während unter dem Strich mit USD 291 Mio. knapp 23% mehr übrig blieben. Bereinigt um Sondereffekte erreichte der operative Profit sogar USD 429 Mio. und lag damit deutlich über dem Analystenkonsens von USD 400.5 Mio.
Quelle: Refinitiv, Stand: 03.11.2026 Historische Daten sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Entwicklungen.
Gemischte Entwicklungen
Die Dynamik zieht sich durch weite Teile des Geschäfts. Besonders kräftig expandierte der Bereich RF Optical Communications mit einem Umsatzplus von 46%. Auch das Geschäft mit Embedded Processing legte um knapp ein Viertel zu. Neben einer allgemeinen Erholung der Halbleiternachfrage profitiert der französisch-italienische Konzern, der seinen Hauptsitz in den Niederlanden hat, zunehmend von zwei Zukunftsmärkten: KI-Rechenzentren und Satellitenkommunikation. Insbesondere die Siliziumphotonik, bei der Daten mithilfe von Lichtsignalen übertragen werden, entwickelt sich zum Wachstumstreiber. Allerdings läuft noch nicht alles rund: Das Geschäft mit Leistungshalbleitern und diskreten Bauelementen verzeichnet weiterhin operative Verluste.
KI sorgt für Fantasie
Für die kommenden Monate versprüht CEO Jean-Marc Chery dennoch Optimismus. Im Schlussviertel soll der Umsatz auf rund USD 4.15 Mrd. steigen. Das würde einem Zuwachs von knapp einem Viertel gegenüber dem Vorjahr entsprechen. Für das Gesamtjahr werden Erlöse von rund USD 14.5 Mrd. prognostiziert, was einem Wachstum von 22.8% entspricht. Besonders vielversprechend entwickelt sich das Geschäft mit Rechenzentren. Hier schraubte das Management seine Umsatzprognose für 2026 von zuvor mehr als USD 1 Mrd. auf rund USD 1.3 Mrd. nach oben. Bereits im kommenden Jahr sollen die Einnahmen deutlich über USD 2 Mrd. liegen. Unterstützt wird der Aufschwung durch steigende Bestellungen sowie eine bessere Kapazitätsauslastung. Allerdings bleibt die Branche konjunktursensibel. Hohe Investitionen, steigende Kosten sowie die Unsicherheit über die Nachhaltigkeit des KI-Booms hängen wie ein Damoklesschwert über dem Aufschwung.
Quelle: STMicroelectronics, e = erwartet; Stand: Oktober 2026 Historische Daten sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Entwicklungen.
Seitwärts- statt Höhenflug
An der Börse ist diese Unsicherheit zu spüren. Nachdem die STMicroelectronics-Aktie einen geradezu raketenartigen Jahresauftakt hingelegt hatte, folgte Mitte des Jahres die Ernüchterung. Nach einer kräftigen Korrektur ging der Chip-Titel im Spätsommer dann in eine Seitwärtsbewegung über. Seither pendelt der Kurs zwischen rund EUR 40 und EUR 50. Die jüngsten Geschäftszahlen liefern zwar fundamentale Argumente für eine Erholung, zu einer nachhaltigen Rückkehr in den Aufwärtstrend ist es aber noch nicht gekommen.
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